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Fachtagung Milchviehhalter: Analysieren wird für Milchviehhalter in der Zukunft immer wichtiger

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Fütterung anpassen Prof. Dr. Hubert Spiekers vom Landwirtschaftlichen Zentrum in Grub war einer der Hauptreferenten. Spiekers ist u.a. in der Arbeitsgruppe die seit einigen Jahren an den Vorgaben der Düngeverordnung arbeitet. Er gab den Landwirten eine Einschätzung, wie es möglich ist, die dann geltenden Grundwerte wirklich einzuhalten. Foto: Ramona Schittenhelm

Weichering Die erste Kälbergeburt breits mit 25 statt mit 28 Monaten: laut Professor Dr. Hubert Spiekers vom Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft bringe dies Einsparmöglichkeiten bei der Nährstoffbilanz. Und die hat im Zusammenhang mit der bevorstehenden Düngeverordnung die die Landwirte zukünftig betrifft erhebliche Auswirkungen. Spiekers war einer von vier Referenten auf der Fachtagung für Milchviehhalter in Weicheringer Landgasthof Voglsang.

Die Veranstaltung des Amts für Landwirtschaft und Forsten Pfaffenhofen erörterte Themen wie die Auswirkungen der Düngeverordnung für die Milchviehhalter oder die Möglichkeit eines Reduzierten Antibiotika-Einsatzes, ohne das Kuhwohl bzw. die Tiergesundheit zu gefährden.

Bayerns Fleckviehhaltung ist gegenüber der Rinderhaltung in anderen Bundesländern im Vorteil (Prof. Dr. Hubert Spiekers)

Die Düngeverordnung wird kommen, erklärt Prof. Dr. Hubert Spiekers von der Landesanstalt für Landwirtschaft in Grub. Voraussichtlich werde diese 2017 noch in Kraft treten. Seit mehreren Jahren wird in Kommissionen und Gremien bereits an den Vorgaben gearbeitet. Und davon sind auch die Milchviehhalter unmittelbar betroffen. Denn je Betrieb dürfe nur eine bestimmte Menge an an Stoffen wie Phosphor vorkommen. Biogasgärreste fallen ebenso ab 2017 in die Kategorie des Wirtschaftsdüngers und sind bei der Obergrenze von 170 kg N je Hektar und Jahr rechnerisch zu berücksichtigen. Werden die Ziele nicht erreicht so handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit. Anfangs in einer Übergangszeit, so Spiekers, wird es vmtl. nur ein Beratungsgespräch geben, danach drohen z.B. Kürzungen bei den Zuschüssen.
Umso wichtiger sei es, so Spiekers, dass man die Inhaltsstoffe z.B. seiner Grassilage die man verfüttere kenne. Denn so könne man z.B. die Zugabe von zusätzlichem Phosphor einsparen. Dies hätte u.a. auch

Projektlandwirt Anton Wörmann beschreibt RAST-Projekt Der Saal im Landgasthof Voglsang war gut gefüllt. Die Landwirte informierten sich u.a. über die Themen Antibiotikagabe bei der Trockenstellung, der Düngeverordnung sowie den Entwicklungen rund um Anbindehaltung und Laufstall. Mit Anton Wörmann (Bild vorne) war einer der Referenten ein Praktiker, der aufzeigte, wie man durch gezielte Milchmessungen zum richtigen Zeitpunkt (Projekt „RAST“) ermitteln könne, ob bei der Trockenstellung der Rinder die Gabe von Antibiotika notwendig ist. Foto: Ramona Schittenhelm

wirtschaftliche Vorzüge vor das landwirtschaftliche Unternehmen. Die vollständige eigene Aufzucht der Jungrinder sei daher z.B. ein Punkt, den Milchviehhalter zukünftig überdenken sollten, da Jungrinder nicht weniger Nährstoffe ausscheiden als Milchvieh, jedoch keine Milch liefern. Auch sollte man über Möglichkeiten nachdenken wie man bei seinen Tieren die Erstkalbung auf 25 statt bisher 28 Monate bringe. Das A und O sei jedoch die Nährstoffangepasste Rinderfütterung wobei sog. geschützte Proteine beispielsweise die bei der Schweinemast durchaus sinnvoll sind bei der Rinderhaltung wenig bringen.
Prof. Spiekers appellierte an die Landwirte in Weichering, ihre Stoffstrombilanz schon jetzt ernst zu nehmen und ihren Betrieb unter diesen Gesichtspunkten zu überdenken und zu überplanen. Einflussfaktoren sind hier z.B. die Grünlandmenge, die Menge an Mais oder Getreide die man anbaut sowie die Größe der Rinderherde (Milchkühe, Nachzucht) sowie der Verkauf von Kälbern.

Petra Paun: mittelfristiges Ziel ist es, ganzjährig von der Anbindehaltung der Kühe weg zu kommen

Die Zahl der Milchlieferanten in den bayerischen Landkreisen ist durch die Bank rückläufig. In den Landkreisen Eichstätt, Neuburg und Pfaffenhofen beispielsweise waren es im letzten Jahr 58 Milchviehbetriebe, die aufgegeben haben. Im Einzugsbereich des Fachzentrum Rinderhaltung in Erding waren es im Vorjahr 207 Betriebe. Solange die Landwirte dann eine wirtschaftliche Alternative zum Einkommenserwerb haben geht es ja noch, sagte Petra Paun, vom Fachzentrum. Aber es würde durchaus einige geben, die dann in ihrer Existenz massiv gefährdet seien. Bei der Fütterung konnte man 2016 bereits Trends erkennen, dass die Landwirte auf die selbsterzeugte Grassilage zur Fütterung setzen würden. Bei der sog. Shredlage (Mais) könne man die Entwicklungen erkennen, dass hier zukünftig möglicherweise auf eine Häcksellänge von 26 bis 30 Millimeter gesetzt würde. Der Einsatz von Shredlage, so Paun, der in den USA derzeit Trend sei würde vmtl. in 1 bis 2 Jahren nach Deutschland. Versuche der Landwirtschaftlichen Zentren in Achselschwang (Bayern) und Haus Riswick (Nordrhein-Westfalen) hätten bislang jedoch keine nennenswerten Auswirkungen der Shredlage auf die Milchleistung und die Inhaltsstoffe der Milch feststellen können. Allerdings hätten diese Tiere Aufnahme an Trockensubstanz beim Futter. Auch war der Abbau von Körpersubstanz zu Latationsbeginn etwas geringer.

Das klare Ziel für 2017 und die Folgejahre sei es, die derzeit noch bestehenden Anbindeställe durch Laufställe zu ersetzen, so Petra Paun. Allerdings finde sie es bedenklich wenn – so wie jetzt – der Handel die Bedingungen des ‚Wie‘ vorgebe. Denn dies würde zu einseitigen Vorgaben führen. Sinnvoller wäre es, so die Referentin, wenn man hier ein Zeitfenster für eine zielführende Umstellung von z.B. 10 oder 15 Jahren setzen würde. So hätten die Landwirte Planungssicherheit und könnten entscheiden, inwieweit es wirtschaftlich aber auch aus Sicht einer möglichen Hofnachfolge sinnvoll ist, in einen neuen Stall zu investieren. In Bayern ist dies insbesondere für die Vor-Alpenregionen jedoch eine große Problematik. Die Landkreise Bad Tölz und Miesbach sind was die Anbindehaltung im Verhältnis zur Laufstallhaltung betrifft durchaus problematisch. Der Grund liege aus Sicht von Paun auf der Hand: „In unserer Region haben die Landwirte mehr Alternativen zur Milchviehhaltung als in den Voralpenregionen.“ Auch sei es so dass schon aus touristischen Aspekten im Sommer auf der Weide stehende Rinder zum Bild gehören. Daher seien die Landwirte auch bei geringem Tierbestand eher bereit mit der Milchviehhaltung weiter zu machen.

Tierwohl hat oberste Priorität, dennoch lässt sich die Antibiotika-Gabe an die Rinder deutlich reduzieren. (Martin Kühberger)

Das Tierwohl und die Tiergesundheit müssen immer im Vordergrund stehen. Dennoch ist es möglich durch gezieltes selektives Trockenstellen der Kühe den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren. Davon sind Martin Kühberger von der LMU München und sein Projekt-Landwirt Anton Wöhrmann aus Allershausen (Landkreis Freising) überzeugt. Im Rahmen des sog. RAST-Projektes (Reduktion des Antibiotikaeinsatzes durch selektives Trockenstellen) geht es bis Anfang 2018 darum, herauszufinden nach welchen Kriterien die Landwirte am Besten erkennen können ob beim Trockenstellen oder beim Abkalbprozess die Injektion von Antibiotika notwendig ist, um Infektionen z.B. am Euter der Kuh zu vermeiden. Denn derzeit weren im Durchschnitt nocn bei 83 von 100 Rindern im Zusammenhang mit der Milchproduktion Antibiotikabehandlungen durchgeführt. Und diese Zahl wolle man – sofern dies möglich ist – reduzieren. Wichtigste Voraussetzung – da sind sich Theoretiker und Praktiker einig – ist es, dass man als Landwirt die Gewohnheiten und den Gesundheitszustand (z.B. des Euters) seiner Kuh kennt. Denn nur so können Rinder gezielt behandelt werden und ein selektives Trockenstellen ohne Antibiotikaeinsatz ist überhaupt erst möglich. Im Zusammenhang mit dem Testlauf werden unterschiedliche Tests vorgenommen – z.B. werde zu Beginn jede Zitze des Kuheuters untersucht, ebenso die Melkanlage, um Infektionen oder Auffälligkeiten festzustellen bzw. auszuschließen. Während des Projektes nehmen die Landwirte dann etwa zwei Wochen vor dem Trockenstellen eine erste Probe. Die wird im Labor entsprechend untersucht und den Landwirten die Ergebnisse mitgeteilt. Sind nun z.B. die Zellzahlen auffällig kann der Landwirt entsprechend reagieren. Eine weitere Probenahme erfolgt am Tag der Trockenlegung, um den Abkalbungsprozess sowie zwei Wochen nach der Abkalbung. Die letzte Probennahme ist dann etwa 52 Tage nach der Abkalbung, um Nachwirkungen auszuschließen. Nach Ablauf des Projektes, da ist Landwirt Wörmann sich sicher, werde er dieses Verfahren weiter verfolgen. Allerdings mit einer abgespeckten Probenzahl. Denn in der Praxis – da ist er sich sicher – kann er anhand von vmtl. zwei Proben (Zeitpunkt der Trockenstellung und Zeitpunkt der Abkalbung) soweit seine Rückschlüsse ziehen um – in Abstimmung mit dem Tierarzt – die Antibiotikagabe zu beschließen.

Vertrauen schaffen hilft bei der Kreditvergabe (Thomas Bayersdorfer)

Die Kernaussage von Referent Thomas Bayersdorfer, Bankbetriebswirt und Landwirtschaftsberater bei der VR Bank Landshut war, Finanzthemen nicht schleifen zu lassen und z.B. den Liquiditätsplan des eigenen Unternehmens genauso wichtig zu nehmen wie den Mehrfachantrag, den man als Landwirt zwingend abgeben muss. Nur so könne man finanzielle Schwachstellen und fehlende Rentabilität sofort erkennen. Die gute Zusammenarbeit wirke sich positiv auf das eigene Rating aus.

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