Gespür für Licht und Optik

Auge und Gespür entscheidet – Niederbayerische Fotografin Claudia Brandl auf die Finger geschaut – Portraitfotografie als Arbeitsschwerpunkt

Von Ramona Schittenhelm

„Soll ich mit offenem oder geschlossenem Mund lachen“, fragt die Braut und zupft am Kleid. „Egal, so wie es kommt“, sagt die Fotografin Claudia Brandl aus Abensberg im Landkreis Kelheim: „Und Sie stecken ganz lässig die Hand in die Hosentasche, Herr Meier.“ Ein Blick durch die Kamera. „Das Licht rechts etwas tiefer. Tu die Schleppe etwas nach vorne“, lautet Brandls Anweisung an Ihre Auszubildende, die assistiert.

Die Fotografin kurbelt an ihrer Mittelformatkamera. „Schauen wir mal, ob der Nebel noch besser wird. Vielleicht können wir dann auch noch draußen Aufnahmen machen. Jetzt sieht man gar nichts“, sagt die eigentlich aus Passau stammende Fotografin. Sie beginnt ein Gespräch und lenkt damit ihre Kunden ein wenig vom Fotostress ab. Klick! – „Wie sportlich sind Sie denn noch, so kurz vor der Geburt, Frau Meier. Könnten sie sich da hin legen. Und sie knien sich hinter ihre Frau, so dass sie sich anlehnen kann.“ Im Zurückgehen verstellt Claudia Brandl den Scheinwerfer. An der Kamera wird aufgrund der gemessenen Helligkeit im Raum die richtige Belichtungszeit eingestellt. Während die Auszubildende noch messt, dreht die 33jährige Fotografenmeisterin schon an Ihrer Kamera. Und wechselt gleich darauf den Standort.

Ein paar Schritte vor, zurück, schaut von links nach rechts, bis die richtiges Perspektive gefunden ist. Denn jeder hat irgendwo seine Schokoladenseite: Die links sitzende Braut schaut hoch zu ihrem Mann, der neben beziehungsweise vor ihr kniet. Der Nebel lichtet sich, so dass man auch draußen noch fotografieren kann. „5,66“, der Wert für die Helligkeit, der an der Kamera eingestellt werden muss. „Jetzt bräuchte ich ihre Größe, Frau Meier. Oder einen Hocker, dann bräuchte ich mich nicht so zu strecken.“ Weichzeichner und Braunton vor die Kameralinse – den entspannten Gesichtszug der Kundin noch eingefangen? – Klick.

„Lassen Sie mir noch schnell den Brautstrauß da. Ich komme gleich nach zum Brautauto“, sagt Claudia Brandl. Auf dem Weg zwischen dem Abensberger Park, wo man die Fotos gemacht hat, und dem Auto findet sie den idealen Platz, um das Blumengebinde zu fotografieren: Gras, Blätter und Stein bilden den Unterboden für den Rosenstrauß.

„Könnten Sie vielleicht mit dem Auto noch ein Stück zurück fahren. Mit geht der Platz hier aus“, dirigiert Claudia Brandl den Fahrer des Brautautos zurück. Selbst steht Sie schon dicht gedrängt an der Steinwand des alten Gemäuers. – Die Brautleute werden an die Vorderseite des Autos gelotst: „Der mit dem dunkleren Kleidungsstück setzt sich jetzt bitte hier ganz vorne hin. Da machen die Wasserflecken, die auf dem Auto sind, nicht so viel. Und Sie, Frau Meier, gehen direkt auf ihren Mann zu.“ Und die Fotografin drückt den Auslöser. Einmal von vorne, einmal von der Seite und einmal aus der Nähe fotografiert. Mal nur die beiden Köpfe und bei den anderen Bildern alles: Brautpaar, Chauffeur, Blumen, Auto und die Gräser, Bäume und die auf dem Boden sitzenden kleinen Vögel. Brandl packt auch noch ihre Kleinbild-Spiegelreflex aus. Macht auch damit Fotos. Die Technik ist aus ihrer Sicht inzwischen so gut, dass es hauptsächlich auf die Technik des Fotografen ankommt, wie gut die Bilder letztlich werden.

„Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag, viel Glück und, dass die Sonne noch herauskommt.“ Nach über einer Stunde Fotoaufnahmen dann der Rückweg ins Studio. Die Kamera wird geschultert. Auf dem Weg zurück kommt Claudia Brandl schon das nächste Paar entgegen: „Fahren Sie links und dann gleich wieder links zum Park. Ich bin auch gleich da, dann können wir gleich dort mit den Fotos anfangen.“

Weitere Geschichte:

Melanie Butz (Auszubildende Fotografenhandwerk) über ihre Erfahrungen