Inzell in der Karriere von Nico Ihle nur eine Zwischenstation: 2014 soll eine Olympiamedaille her

Er ist die wohl größte Sprint-Hoffnung der Eisschnellläufer seit Uwe-Jens May, der 1988 in Calgary Olympiasieger über 500 Meter wurde. Der 25 Jahre alte Chemnitzer Nico Ihle ist ein Sprintertyp. Die Saison 2010/11 bezeichnet der Sportler schon jetzt als die erfolgreichste Saison seiner bisherigen Karriere. Ihm ist das gelungen, was zehn Jahre lang keinem Deutschen mehr gelang: eine Top-Ten-Platzierung im Sprint im Weltcup bzw. in internationalen Wettkämpfen. Damit ist für Nico Ihle aber das Ziel noch längst nicht erreicht. „Ich werde der erste Deutsche unter 35 Sekunden sein„, lautet die Marschroute des 25-Jährigen, der die Begeisterung der Fans in Inzell (Landkreis Traunstein) bereits während des Trainings sichtlich genießt.

Immer mehr Leute kennen ihn auch, sprechen ihn an. Druck ist etwas, was der Chemnitzer will, braucht: drum auch die Ansage, an deren Wahrheitsgehalt er auch fest glaubt: „Ich gehe schon davon aus, dass ich in Inzell in der Lage bin, die 35-Sekundengrenze bereits zu knacken. Das Eis hier ist gut und ziemlich schnell. Ich komme hier sehr gut zurecht.“ Bei einem Training vor dem Weltcup-Finale in Heerenveen, so erzählt der Sprinter in einer Trainingspause, sei er hier bereits in der Max-Aicher-Halle gelaufen. Der Kurvenradius ist ziemlich eng. Das könnte für einige problematisch werden. Er habe für sich und seine Rennen bereits die passenden Schlüsse gezogen, wie er die Klippe am besten meistern würde.

Angst an dem selbst auferlegten Druck und der 35 zu scheitern hat der sympathische Eisschnellläufer, dessen Bruder Denny ebenfalls schnell auf dem Eis unterwegs ist, eigentlich nicht: „Ich freue mich darauf, daheim zu laufen. Das spornt zusätzlich an, wenn man viele Leute trifft, die man kennt.“ Die Erfahrung konnte der Chemnitzer – beschäftigt bei der Sportfördergruppe der Bundewehr in Frankenberg – bereits mehrfach machen im Weltcup, beispielsweise in Berlin. Wenn die Rahmenbedingungen und das Eis passen, dann funktioniert das auch mit der Leistung. Die Vorbereitung und die letzten Weltcup-Rennen geben Grund zur Hoffnung für die Sprint-Hoffnung, die für die nächsten Jahre große Ziele hat: eine Olympia-Medaille in Sotschi 2014, das wäre es. Darauf will der 25 Jährige nach der WM in Inzell auch hin arbeiten. Erst einmal muss diese Saison – auch wenn sie bislang bereits die erfolgreichste in seiner Karriere war – noch abgeschlossen werden: mit dem Highlight der WM. Über die 500 und die 1000 Meter wird Niko Ihle an den Start gehen: eine Top-Ten-Platzierung sollte am Ende auf der Habenseite stehen.

In der Eis-Pause zwischen den Trainingseinheiten genießt er die ruhigen Augenblicke, gibt geduldig Interviews. Beantwortet Fragen. Die Freude merkt man ihm an, wenn er über seinen Sport spricht, den er mit Leidenschaft betreibt. Im Weltcup ist Ihle bereits das sechste Jahr dabei. Die Qualifikation für Vancouver 2010 (Olympische Spiele) war bislang sicherlich eines der Internationalen Highlights in seiner Karriere. Und das über die ungeliebten 1000 Meter. Da hätte er immer zu kämpfen, dass ihm die Luft nicht ausgehen würde, beschreibt der sympathische Sportler, der in dieser Saison Top-Ten-Platzierungen auf laufenden Band produzierte. Zukünftig will er das noch toppen: das Treppchen soll nächste Saison schon ein paar Mal erreicht werden, damit auch die Herren-Riege der Eisschnellläufer für positive Schlagzeilen sorgt. Im Sommer-Training nach der Saison will er deshalb vielleicht den ein oder anderen Testlauf über 1500 Meter machen. Sein Hauptaugenmerk soll 2011/2012 aber ganz klar auf den Sprintstrecken liegen. Nur könnte er so vielleicht aufgrund der besseren Ausdauer für die 1000 Meter profitieren. Was die Sprintzeit für nächstes Jahr angeht, so peilt Ihle eine mittlere 34er-Zeit an – absolute Weltspitze eben.

Auch wenn sich bislang die WM-Spannung noch in Grenzen hält, so freut sich Nico Ihle schon jetzt auf die Wettbewerbe und die Eröffnungsfeier am Mittwochabend in Inzell. Das Zusammentreffen mit den Fans bereitet ihm dabei kein Kopfzerbrechen. Ganz im Gegenteil. „Ich finde es schön, mit den Fans zusammen zu treffen. Unterhalte mich gerne mit ihnen oder gebe Autogramme“, erzählt der Sachse, während er kurzerhand einem kleinen Eisschnelllauf-Fan ein Autogramm gibt.

Die nächsten Tage von Mittwoch bis Sonntag wird Nico Ihle noch einmal unter Volldampf stehen. Danach freut er sich jedoch schon darauf, ein paar Tage lang keine Schlittschuhe zu sehen und ein paar Tage abzuschalten. Ab dem Frühling wird sich Nico Ihle dann seinem Studium widmen: Sport-Marketing und Sponsoring hat er sich ausgesucht. An sich selber und seiner Karriere kann er ja bereits vieles ausprobieren, während des Studiums aber auch optimieren.

Am Training will der Chemnitzer während der Sommerphase eig. nichts ändern: viel Rad- und Krafttraining in Italien und Frankreich, dazu ein Training auf Inline-Skates. 2011/12 soll dann der erste Podestplatz möglich sein. Dann brauchen sich die deutschen Eisschnelllauf-Herren auch nicht mehr hinter den seit Jahrzehnten erfolgreicheren Damen (Anni Friesinger-Postma, Claudia Pechstein, Jenny Wolf, Gunda Niemann-Stirnemann, Daniela Anschütz-Thoms) verstecken.

An Träumen und Wünschen für seine Sportkarriere mangelt es Nico Ihle keineswegs. Nach einer für ihn erfolgreichen Leistung in Inzell liegt da der Fokus ganz klar auf den nächsten Weltmeisterschaften und vor allem Olympia 2014 in Sotschi.