Verlagslobby vs. Journalismus

Ist der klassische Print-Journalismus am Ende? Ist der Vollblut-Journalist nicht mehr gefragt? Was zählen journalistische Tugenden heute noch?

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Texte sind weit mehr als das, was man geschrieben sieht

Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Worte weglassen.

Mark Twain hat es mit diesem Ausspruch auf den Punkt gebracht. Es gehört nicht alles geschrieben. Auf die Auswahl und die Dosierung kommt es an. Denn richtig gute Geschichten oder Storys leben von einigen Details. D.h. ein erfahrener Journalist weiß, dass er sich bei seinen Texten auf die wesentlichen Fakten bzw. Storyelemente konzentrieren muss. Weniger ist vielfach mehr, kann man so auch auf Details eingehen.

Sich selbst nicht in den Mittelpunkt stellen als Autor, sondern das Ereignis, die Nachricht zentral setzen. Persönliche Eitelkeiten sollten bei einem Journalisten keine Rolle spielen. Vielmehr sollte er immer an seine Zielgruppe, seinen Leser denken. Denn der ist quasi sein roter Faden. Der Leser soll verstehen, worum es geht. Der Leser soll das Gefühl haben dabei zu sein, obwohl er eigentlich nur die Texte liest.

Wissen was Sache ist. Noch ein kluger Kopf – nämlich Ernest Hemingway – hat das ganz plastisch erklärt mit seiner Eisberg-Theorie: nur die Spitze – also das Wesentliche einer Nachricht – ragt aus der Geschichte hervor. Der Leser soll durch die Texte angeregt werden, den Rest der Geschichte selbst zu fühlen, zu erleben, zu spüren.

Ein dünnes Eis, auf dem sich der Journalist hier bewegt, ist sein Hauptaugenmerk doch immer auch auf den Faktor der Glaubwürdigkeit aufgebaut. Demnach müsste er Dinge immer so genau benennen, wie nur irgendwie möglich, wenig Spielraum lassen für Phantasien und eigene Interpretationen.

Als Journalist muss man sich dennoch bewusst machen, dass man immer nur einen Ausschnitt erzählen kann. Denn es gibt immer noch ein mehr an Informationen. Selektiere und den Leser dennoch informieren – das ist dabei die Devise, an der man sich orientieren sollte.  Eine Unterscheidung findet der Leser sicherlich in der gewählten Darstellungsform: während sich Nachrichten rein auf Details und Fakten konzentrieren, sind Reportagen viel anschaulicher und auf Details bedacht. Allerdings ist es selbst bei einer Nachricht so, dass man als Autor selektieren muss. Denn sonst strengt man den Leser zu sehr an, wenn man von einem Fakt zum nächsten springt.

 

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Lokaljournalismus kontra Welt-Nachrichten

Was braucht man noch im Lokaljournalismus?
Übung: Herunterziehen überregionaler Nachrichten auf lokael Ebene: z.B. Trinkgeldsteuer, Mobilfunkmasten, Kürzung der Sozialhilfeleistungen für Auslänger, die die deutsche Sprache nicht lernen wollen; CDU-Kampagne für Aufwertung des Ehrenamtes.

Ein Tipp von Akademieleiter Herbert Knur (Akademie der bayerischen Presse in München), gleichzeitig Bürgermeister einer kleinen Gemeinde in der Nähe des Erdinger Flughafens:
Bei Sitzungen versuchen, auch ein Auge auf die nicht-öffentliche Tagesordnung zu werfen. Bei Wegfallen des Geheimhaltunsgrundes muss die Verwaltung Auskunft über das Abstimmungsergebnis geben.

Tipps für Recherche im Lokalen
• von außen nach innen recherchieren (Hauptbetroffene also zuletzt fragen)
• Fragetechnik: Unterstellung, Fangfrage: »Darf man gratulieren?«
• Ablehnung mitschreiben: »Dazu kann ich jetzt nichts sagen.«
• Informanten isolieren
• Fragestellung bei Sekretärin: »Ist…da?«; dann fällt Lüge schwerer!
• Sekretärin verantwortlich machen: »Ich brauche den Bürgermeister bis 14 Uhr, damit auch seine Stellungnahme abgedruckt werden kann!«
• Zuerst reden lassen, dann mit Vorhalten konfrontieren.
• Recherche auf mittlerer Etage oft fruchtbarer als auf höherer Ebene.

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Darstellungsformen im Journalismus

Darstellungsformen

…die Glosse
bedient sich der Ironie, Überteibung. Muss als solche erkennbar sein. Sie treibt Argumente auf die Spitze, darf ironisch übertreiben, entlarven, verspotten, witzig sein und endet in einer Schlußpointe. Sie ist die wohl schwerste Darstellungsform, gerade weil sie so leicht daher kommt (Walter von La Roche). Im Gegensatz zur unpersönlichen Sachlichkeit des Kommentars ist die Glosse gefühlsbeton und subjektiv. Sie spielt mit Mitteln der Sprache, verwendet originelle Formulierungen und Wörter, die Umgangssprache, den Dialekt und bedient sich eher eines feuilletonistischen Stils.

Sterne leuchten für Europa – Von Ramona Schittenhelm
Das Gerangel um den Platz vor dem Bürgerhaus nimmt kein Ende. Es soll ein Platz für den Bürger sein. Und die Stadt will wohl auch, dass es ihren Bewohnern dort gefällt. Darum hat man sich schließlich von Seiten der Stadt dazu entschlossen, ihm den mehrheitlich gewünschten Namen „Bürger…“ – ähm – „Europaplatz“ zu geben. Ganz, wie es der Bürger befiehlt. Kaum haben die Einwohner also den ersten Namens-Schock verarbeitet, geht die Auseinandersetzung um den Belag des „Bürger…“ – ähm – „Europapatzes“ weiter. Kaum haben sich die Burghauser an die grellen Farben ein wenig gewöhnt, bemängelt Paul Kokott (regionaler Politiker – Info hier im Netz), dass der grüne Belag schon richtig „derbunzt“ aussehe. Worin ihm vielleicht auch einige Bürger und Europaer recht geben. Wann es allerdings zu einer Generalüberholung des Europaplatzes kommen wird, steht noch in den Sternen. Apropos Europa, apropos Sterne: Wie wäre es denn, wenn man auf dem Europaplatz einen dunkelblauen Belag mit leuchtend gelben Sternen verlegen würde? Allerdings müssten dann auch die organgen Laternen und Geländer umgestaltet werden. Gelbe Sterne vor gelben Eingangstüren: „Bürger“-Haus und „Europa“-Platz würden dann doch noch zusammenpassen – zumindest farblich.
erschienen: Burghauser Anzeiger (PNP) vom 16. Oktober 1999

…der Kommentar
sachlich. Interpretiert und bewertet aktuelle Ereignisse. Im Unterschied zur Nachricht oder zum Bericht lebt der Kommentar von der Meinunsäu?erung. Grundsätzlich ist jeder Sachverhalt, der eine Nachricht wert ist, auch kommentierbar. Der Kommentar soll Sachverhalte in Zusammenhänge bringen, das Entstehen von Meinungen untersuchen und deren Bedeutung diskutieren. Ein Kommentar analysiert, erklärt und bewertet.

…die Reportage
Hier soll man den Leser miterleben lassen. Die Fakten dienen lediglich dazu, eine Handlung zu verstehen. Die Handlung der Reportage soll für sich sprechen. Die Aktualität knüpft an einen allgemeinen Diskurs an, bezieht sich indirekt auf eine Nachricht. Personen: Einzigartige Protagonisten wie im Kino, deren Handeln und deren Motive im Mittelpunkt stehen. Personen sind hier unentbehrlich. Zum Aufbau kann man nur sagen: freie Dramaturgie, szenisch durchgestaltet. Reportagen werden sinnlich und einfühlsam geschrieben.

…das Feature
Verallgemeinern, Veranschaulichen. Die Fakten werden erklärt. Die Aktualität knüpft an einen allgemeinen Diskurs an, bezieht sich direkt auf eine Nachricht. Im Feature dürfen typische Figuren, die das Wesen der Fakten veranschaulichen vorkommen. Personifizierung ist empfehlenswert. Das Feature ist meist mit einem szenischen Einstieg, anekdotisch, überraschend. Übergang zur Legitimation, dann berichtsmäßig (angefeaturter Bericht), vertieft oder ausgeweitet. Die Sprache hier ist untererhaltsam und anschaulich.
…der Bericht
soll informieren, als erstes werden die Fakten präsentiert. Nachricht sollte von hinten her kürzbar sein und der Leser weiß trotzdem noch, was man ihm in diesem Text sagen will. Aktualität: »hart« (Bedeutung eines Geschehens) oder »weich« (Interesse an einem Ereignis). Personen nur dann, wenn sie relevant im Zusammenhang mit den Fakten stehen, also wenn erforderlich. Der Aufbau des Berichts ist hierarchisch, nach dem Prinzip der abnehmenden Wichtigkeit. Die Sprache ist sachlich und distanziert.

…die Radio-Nachrichten
Grundlage jeder Nachricht sind die Quellen, also die Herkunft von Nachrichten. Für Hörfunk-Journalisten sind am wichtigsten:
• Nachrichtenagenturen
• Eigene Recherchen (meist per Telefon)
• Eigene Korrespondenten
• Pressemitteilungen, Verlautbarungen
Wichtigstes Kriterium bei der Auswahl von Nachrichten sollte das Interesse der Hörer sein. Sie erwarten Informationen über das,
• was aktuell und nach ist (Kriterium Nähe),
• was viele betrifft (Kriterium Neuigkeit),
• was viele betrifft (Kriterium Nutzen/ Service),
• was Missstände aufdeckt,
• was sonst noch von Bedeutung ist.

Auch Hörfunk-Nachrichten müssen zumindest die ersten vier der sogenannten klassischen w-Fragen beantworten:
• was ist passiert?
• Wer ist beteiligt?
• Wo ist es passiert?
• Wann ist es passiert?
• Wie ist es passiert?
• Warum ist es passiert?
• Woher kommt die Meldung?

Dabei sollte bereits der erste Satz (= Leadsatz) die wichtigsten Informationen vermitteln. Aus Gründen der Unmittelbarkeit steht dieser erste Satz immer im Präsens oder im Perfekt.

Beim Schreiben einer Nachricht sollte man beachten, dass 15 Zeilen maschineller Text bei normalem Sprechtempo etwa einer Minute entsprechen. Den Zeilenabstand dabei nicht zu klein wählen und Ausbesserungen vermeiden – vor allem dann, wenn andere das Manuskript lesen müssen.
Vorsicht, wenn nur eine Nachrichtenagentur ein wichtiges Ereignis meldet und es noch keine Bestätigung gibt! Nachrichten-Redakteure sollten sich in einem solchen Fall absichern und lieber die Quelle nennen.

Unerlässlich für gut gemachte Nachrichten ist eine klare, präzise Sprache. Eine amerikanische Regel für verständliche Sprache lautet: „Talk to your typewriter“. Also
• Kurze Sätze. Nebensätze nach Möglichkeit vermeiden.
• Aus Gründen der Verständlichkeit besser Aktiv als Passiv.
• Besser Verbal- als Nominalstil
• Besser gesprochenes als geblähtes Deutsch

Zahlen, Statistiken, Größenangaben:
• Genau abwägen, ob exakte Zahlen nötig sind. Sonst besser auf- oder abrunden.
• Mit Bildern arbeiten (Bsp.: Eine Fläche so groß wie zehn Fußballfelder, so groß wie das Saarland).
• Vorsicht bei direkter und indirekter Rede. Direkte Zitate müssen als solche erkennbar sein. Indirekte Rede nur im Konjunktiv.

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